Angehört: Claudia Oddo in der Friedenskirche Oelde

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Sonntag Mittag entschlossen wir uns kurzfristig, einer Einladung zu folgen und den Abend des dritten Advents bei einer Veranstaltung mit der Sopranistin Claudia Oddo in der Oelder Friedenskirche zu geniessen. Klassischem Gesang stehe ich ja eher skeptisch gegenüber, aber vielleicht könnte dieses Konzert mich ja von meinem Vorurteil befreien …

Um es vorweg zu nehmen: es konnte!

Claudia Oddo       Fotos ©Martin Bischoff

Claudia Oddo
Fotos ©Martin Bischoff

Claudia Oddo wurde in Bielefeld geboren und zog in jungen Jahren zu ihren Grosseltern nach Sizilien. Zurück in Deutschland machte sie hier ihr Abitur am Max-Planck Gymnasium, worauf sie in Bologna Musik, Tanz und Schauspiel studierte. Nach erfolgreichen Engagements in Italien zog es sie jedoch wieder nach Bielefeld zurück, wo sie nun ihre Basis hat. Zuhause fühlt sie sich jedoch in Deutschland und Italien. Claudia Oddo arbeitet seit Jahren mit der Pianistin Nadja Naumova zusammen, die mit 14 Jahren ihr erstes Konzert in St. Petersburg gab. Nadja Naumova erhielt in Deutschland ein Stipendium und unterrichtet zur Zeit an der Hochschule für Musik in Detmold. Sie war in Oelde auch schon mit einem Solokonzert im Kultursalon Wiegelmann zu hören.

Aber zunächst betrat jedoch nicht die Sopranisten den Altarchor der Friedenskirche. Das Bulka Streichquartett, bestehend aus Janusz Bulka (Violine), Robert Mileswki (Violine) Ryszard Sneka (Bratsche) und und Wieslaw Murzánski (Cello), eröffnete den Konzertabend mit dem „Einzug der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Salomon“ von Georg Friedrich Händel.

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Janusz Bulka und Robert Milewski

Und dann schritt die Königin des Abends zu dem Podium. In einem lange, schwarzen Kleid schwebte sie ins Zentrum der Musiker, und ihre erhabene Stimme zog den Zuhörer unmittelbar in ihren Bann. Jetzt war alles anders, als ich es von meinen „normalen Konzertbesuchen gewohnt war – keine Frontleute, die das Publikum durch lautes und aggressives Growlen zum Pogen annimieren wollen, keine Sängerin, die sich durchaus auch mal im Ton vergreifen darf, weil es ja Live ist, ab jetzt war alles einfach nur noch schön. Ergreifend. Aussergewöhnlich und bewegend. Claudia Oddos über jeden Zweifel erhabene Stimme erfüllt nicht nur den Raum, sondern auch den Zuhörer. Ihr Dynamikumfang, von zarten, fast flüsternden Tönen am unteren Ende ihrer Range bis hin zum krachenden Fortissimo am Oberen, dürfte jeden Tontechniker zum Verzweifeln und jeden Dynamikprozessor an die Grenzen seiner technischen Möglichkeiten bringen. Aber diese Sängerin hat keine korrigierende Elektronik nötig; die Technik wohnt in ihr. Keine PA könnte das authentisch wiedergeben, was Claudia Oddo darzubieten hat. Da ist nichts „totkomprimiert“ wie bei vielen Radio- und CD-Aufnahmen, alles ist echt und ungekünstelt, und der Zuhörer war mitten drin.

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Claudia Oddo und das Bulka Quartett

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Claudia Oddo, das Bulka Quartett und Nadja Naumova

Das Bulka-Quartett mit Unterstützung der Pianistin Nadja Naumova wusste diese Stimme meisterhaft in Szene zu setzten. Es unterstützte und untermalte die Gesangsqualitäten von Claudia Oddo, gab ihr das Fundament, auf dem sie bauen konnte. Die fünf Instrumentalisten spielten sich niemals in den Vordergrund, sondern sie zollten der eindrucksvollen Stimme ihren Respekt, wiewohl ihre solistischen Qualitäten über jeden Zweifel erhaben sind. Diese Qualitäten konnten sie an anderer Stelle beweisen, denn wechselseitig mit Vokalstücken boten die Musiker Instrumentalstücke dar, die ich teilweise als „Hits“ bezeichnen würde. Der berühmte „Kanon“ von Pachelbel fehlte ebenso wenig wie das „Ave Maria“ von Bach oder der „Ungarische Tanz Nr. 5“ von Brahms.

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Claudia Oddo als Dirigentin bei “Oh du fröhliche”

Aber Mittelpunkt war und blieb Claudia Oddo, die nach etwa 1 1/2 Stunden das Konzert mit einigen Weihnachtsliedern zum Abschluss brachte. „Tochter Zion“ von Händel und das allseits beliebte „Oh du Fröhliche“, bei dem sie dann doch meine zu Beginn dieses Artikels beschriebenen Frontfrauqualitäten an den Tag legte, indem sie das etwa 200 Personen umfassende Publikum zum Mitsingen animierte, beschlossen den Abend.

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Stehende Ovationen des Publikums

Nicht ganz, denn ohne Zugabe liess das Oelder Publikum die Musiker nicht aus der Kirche. Bei „White Christmas“ von Irving Berlin zeigten die Musiker auch einmal eine andere Seite, so suchte der Violinist Janusz Bulka seine Einwürfe bei diesem Stück eher in der Bluesmusik, während Wieslaw Murzánski auf seinem Cello slappte und poppte, als stünde Mark King persönlich auf der Bühne.

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Moderatorin Leandra Rodriguez

Durch das Programm führte an diesem Abend die junge Leandra Rodriguez, die souverän zu jedem Stück einige einleitende Worte und Erklärungen fand, die dem Hörer die Stücke näher brachten.

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Claudia Oddo und das Bulka Quartett

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Janusz Bulka, Claudia Oddo und Nadja Naumova

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Janusz Bulka, Leandra Rodriguez, Claudia Oddo, Nadja Naumova, Robert Milewski, Ryszard Sneka und Wieslaw Murzánski

 

Abschliessend zwei Fragen: Hat es mir gefallen? Definitiv ja!

Komme ich im nächsten Jahr wieder? Ganz sicher!

Jetzt kann Weihnachten kommen …

2 comments

  • Es freut mich sehr, einen “Antiklassiker” zum “Proklassiker” konvertiert zu haben. Durch so einer feinsinnigen musikalischen Begleitung und durch so einem herzlichen Oelder Publikum fühlte ich mich sehr beflügelt. A presto e grazie mille
    Claudia Oddo

  • Eine durchaus sachkundige Kritik. Um “Klassik” genießen zu können, braucht man kein Bücherwissen: nur Ohren und zurücklehnen und genießen….

    Und nur der Vollständigkeit halber: das Konzert wurde von der AWO – Oelde veranstaltet, nun schon im 6. Jahr mit wechselnden, aber immer sehr guten Künstlerinnen und Künstlern. Die Erlöse werden gespendet, vorzugsweise an dern Oelder Tisch. Die AWO könnte die Erlöse selber gut gebrauchen, aber Weihnachten beschenkt man sich nicht selbst. Möglich ist das aber nur, wenn sich Sponsoren finden. Und diese haben sich immer gefunden und einen Großteil der Kosten übernommen, so dass immer ein “Batzen” überblieb .
    Da muss man neben vielen anderen besonders der Sparkasse Münsterland Ost und der EVO danken.

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